Freund oder Feind?

Meine Monster im Kopf als Security

Einige meiner Monster im Kopf haben es sich zur Aufgabe gemacht, mich und mein Überleben in der Welt zu sichern und sind deshalb ziemlich aktiv meine Umgebung auf potentielle Gefahren abzuscannen. Sobald sie eine Bedrohung für Leib und Leben entdecken, schlagen sie Alarm und ich verspüre, wie alle Lebewesen, Angst.

Angst als Überlebensmechanismus

Angst gehört zu den Grundgefühlen, ist also angeboren, eines jeden Lebewesens und dient als Warnfunktion bei drohenden Gefahren.

…. ein die Sinne schärfender und Körperkraft aktivierender Schutz- und Überlebensmechanismus, der in tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gefahrensituationen ein angemessenes Verhalten (Kampf oder Flucht) einleitet.

Quelle und weitere Infos Wikipedia
Die Flucht vor dem Säbelzahntiger

Durch bestimmte Wahrnehmungen (Sehen, Hören, Riechen Schmecken, Spüren) registriert das Gehirn etwas als (lebens)gefährlich und meldet dem limbischen System (zuständige für die Gefühle) mit Hippocampus und Amygdala entsprechende körperliche Reaktionen auszulösen. Sind blitzschnelle Reaktionen für unser Überleben erforderlich, reagiert die Amygdala auch ohne vorherige Verarbeitung und Bewertung der Großhirnrinde. Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin, Kortison und Cortisol werden ausgeschüttet, um alle Körperfunktionen in diesen Überlebensmodus zu bringen,

  • Der Herzschlag erhöht sich und die Herzkranzgefäße erweitern sich.Unser Blutdruck steigt an.
  • Die Blutgefäße der Haut und inneren Organe verengen sich.
  • Die Skelettmuskeln werden stärker durchblutet und spannen sich an, um sich Kampf oder Flucht einzustellen.
  • Als Vorbereitung auf mögliche Verletzungen verdickt sich das Blut.
  • Die Bronchien erweitern sich, die Atmung gehtschneller, um eine bessere Sauerstoffversorgung zu gewährleisten.
  • Der Energieverbrauch steigt an, der Stoffwechsel wird beschleunigt.
  • Es kommt zu Appetitverlust, die Verdauung wird eingestellt.
  • Der Blutzuckerspiegel und die Blutfettwerte (Cholesterin) steigen
  • Der Speichelfluss wird reduziert, der Speichel wird zähflüssig.
  • Die Pupillen erweitern sich, um das Sehfeld zu vergrößern und die Gefahr besser zu erkennen.
  • Die Ausscheidung, Harn- und Stuhldrang werden eingestellt
  • Alle Energiereserven (Zucker und Fette) werden angezapft, um genügend Energie für eine mögliche Verteidigung zu haben.
  • Die Körpertemperatur steigt an

Ist die Gefahr vorüber oder hat sich die Situation als ungefährlich dargestellt, beruhigt sich das System wieder. Die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin werden abgebaut, der Körper kehrt in den Normalzustand zurück und entspannt sich.

Systemstörung

Angst ist also erstmal eine ganz sinnvolle Einrichtung des Körpers, wenn es umˋs Überleben geht, auch wenn es sich dabei um ein sehr unangenehmes Gefühl handelt.Bei manchen Menschen ist dieses System durcheinander geraten und die Angst beschränkt sich nicht mehr auf die reine Überlebensfunktion:

  • Die Angst tritt ohne Bedrohung auf
  • Die Angst hält nach einer Bedrohung weiterhin an
  • Die Angst tritt zu stark auf oder zu oft
  • Es tritt ständig Angst auf
  • Die Angst löst starke körperliche Symptome aus
  • Die Angst kann nicht mehr kontrolliert werden
  • Die Angst führt zu einem Vermeidungsverhalten
  • Bestimmte Aktivitäten werden nicht mehr ausgeführt, so daß das Leben eingeschränkt wird

Die Fachleute sprechen dann von behandlungsbedürftigen Angststörungen, wenn diese Ängste das Leben eines Menschen so beieinflussen, dass er darunter leidet.

Unterschieden werden dabei grob zwei Formen:

Diffuse, unspezifische Ängste treten spontan und zufällig auf und haben keine Situation oder Objekte als Auslöser.
Phobien sind dagegen auf konkrete Dinge ausgerichtet und an bestimmte auslösende Objekte, Situationen oder Räumlichkeiten gebunden (z. B. Tiere, Menschen oder Platzmangel).

Quelle und weitere Infos: Wikipedia

Angst als Traumafolgestörung

Irgendwann im Laufe meines Lebens beschlossen meine Monster im Kopf, dass die Welt in der ich lebe, sehr gefährlich für mich ist und haben deshalb eine Securityfirma gegründet, die sich zur Aufgabe gemacht hat, alle möglichen Gefahren auszuschließen. Einige Behandler diagnostizierten deshalb bei mir eine generalisierte Angsstörung – eine weitere Schublade im Diagnosesystem

Menschen mit generalisierter Angststörung leiden unter einem ständigen Gefühl von Besorgtheit und Anspannung in Bezug auf alltägliche Ereignisse und Probleme. Dabei beziehen sich die Sorgen auf verschiedene Bereiche, um die sich andere Menschen auch Sorgen machen, z.B. darauf, dass sie selbst oder die Angehörigen schwer erkranken oder einen Unfall haben könnten. Bei Menschen mit einer generalisierten Angststörung sind solche Sorgen jedoch deutlich stärker ausgeprägt als bei anderen Menschen, so dass der Alltag dadurch stark beeinträchtigt sein kann. Dass man sich in bestimmten Situationen Sorgen macht, ist normal: So sorgt sich jemand, der bei einer Firma arbeitet, der es schlecht geht, vielleicht um seinen Arbeitsplatz. Menschen mit generalisierter Angststörung sorgen sich jedoch übermäßig, auch wenn keine besondere Gefahr besteht. Sie können ihre Sorgen außerdem kaum oder gar nicht kontrollieren.

Quelle und mehr Infos bei Psychenet

In meinem Beitrag über Trigger – wenn Monster im Kopf automatisch aktiv werden berichtete ich bereits wie diese Alarmanlage in meinem Gehirn funktioniert und damit die Security in meinem Kopf auf den Plan ruft. Diese Securityeinheit will natürlich für einen möglichen Ernstfall jederzeit vorbereitet sein und so setzt sie meinen Körper in eine Daueralarmzustand. Diese erhöhte Wachsamkeit dieser macht mir das Leben oft ganz schön schwer, denn diese Monster sorgen für eine ständige innere Anspannung und eine gewisse innere Unruhe.

Gerade diese Alarmbereitschaft der Monstersecurity beeinflusst meinen Alltag massiv, denn es fühlt sich an wie bei einem Psychothriller, bei der der Zuschauer total (an-)gespannt vor dem Bildschirm sitzt und genau weiß, dass jeden Moment etwas passieren wird – nur nicht wann.

Szene aus Flatliners 1990
vergleichbar mit meinem Gefühl der inneren Anspannung

Ich beobachte meine Umgebung, sowie die Menschen um mich herum und meine Monster im Kopf flüstern mir ein, dass davon möglicherweise eine Gefahr ausgehen kann. Gerade Körpersprache, Stimmlage und Mimik veranlassen meine Monster im Kopf oft misstrauisch zu werden, was Andere von mir denken und ob sie nicht doch mein Vetrauen in sie missbrauchen. Irgendwie wittern sie überall Gefahr und es ist sehr anstrengend für mich, die Stimmen meiner Monster dauerhaft zu ignorieren oder sie vom Gegenteil zu überzeugen. Ständig reden sie mir ein, dass Menschen Böses im Sinn haben, mir schaden wollen und mich bei der nächsten Gelegenheit betrügen oder manipulieren. Ein unangenehmer Blick, eine unerwarte Gegenfrage kann dann schon ausreichen, dass meine Monster im Kopf eine Katastrophe kommen sehen.

Auch bin ich sehr schreckhaft geworden, wenn ein lautes oder unerwartes Geräusch oder Bewegung mein Ohr bzw. Auge erreicht. Dieses Gefühl von Angst und Panik, für die es objektiv nicht immer einen Grund gibt, sorgt auch oft für Schlafprobleme bis hin zu Albträumen.

Dieses ständige erhöhte Stress- und Angstniveau, die Diskussionen mit meinen Monstern im Kopf kostet wahnsinnig viel Kraft und oft bin ich so erschöpft, dass ich mich eine zeitlang von allen sozialen Kontakten zurückziehen muss, um mir und meinen Monstern Ruhe zu verschaffen.

Von Außen ist der Kampf in meinem Kopf natürlich nicht sichtbar – doch oft wirke ich für meine Mitmenschen extrem nervös oder sie bemerken meine Unruhe. Es kann aber auch vorkommen, dass ich aggressiv reagiere, wenn mir Menschen zu nahe kommen, weil meine innere Security das Zeichen zur Verteidigung gegeben haben, um eine potentielle Bedrohung abzuwenden.

Laufen als Therapie

Laufen hilft – zumindest für den Moment

Um diese innere Anspannung ein bisschen mehr unter Kontrolle zu halten, hilft mir der Sport. Durch Bewegung werden die Stresshormone Adrenalin, Noadrenalin und Cortisol besser/schneller abgebaut und ich kann mich danach leichter entspannen (das Erleben dieses tollen Zustand hat leider aber bei mir auch schon zu einen leichten Suchtcharakter geführt – doch dies ist eine andere Geschichte 😉 )

Dies konnten auch schon diverse Wissenschaftler in Studien nachweisen: regelmäßiger Sport / regelmäßige Bewegung bewirkt, dass

  • der Blutdruck sinkt
  • die Herzfrequenz sich verlangsamt
  • der Körper sich an Stresssituationen besser anpasst, weil er langsamer oder gar nicht mehr in diesen Flucht-oder Kampf-Modus wechselt

Doch auch kurzfristig hilft Bewegung, in dem unter anderem die körpereigenen Glücksdrogen „Endorphine“ ausgeschüttet werden, die das Wohlbefinden steigern und für Entspannung sorgen. Dann haben wir mehr Ressourcen für die Stressbewältigung

Quelle und mehr Infos: MyMONK

Für mich ist Laufen inzwischen der perfekte Sport, denn der Aufenthalt an der frischen Luft tut meiner Seele gut. Außerdem ist der Sport für mich ein Stück Normalität, ich gehöre dazu und niemand merkt etwas von bzw. interessiert sich für meine Monster im Kopf.
Und das Beste:

meine Monster im Kopf halten
während dem Laufen die Klappe

Wie ich zum Sport und speziell zum Laufen kam, könnt ihr gern hier nochmal nachlesen 😉

2 Gedanken zu “Freund oder Feind?”

  1. Hi Sonja, ich muss zugeben, ich bekomme immer mehr Lust, mich sportlich zu betätigen. Ich will auch, dass mein Blutdruck sinkt und meine Herzfrequenz sich verlangsamt, Ich will einfach mehr Kondition bekommen und mich wohler fühlen. Und ich werde es auch schaffen! Ich bin mir ganz sicher. Nicht nur, weil meine neue Hose eine Nummer kleiner ausgefallen ist und die Waage etwas weniger anzeigt. Ich fühle mich richtig angestachelt, in Kürze loszulegen. Erst werde ich noch ein paar kräftigende Übungen beim Physiotherapeuten ausprobieren und dann soll es endlich losgehen. Ich freue mich total darauf! Danke für deine inspirierenden Worte im Blog und im Gespräch. Fühle dich ganz feste gedrückt! Allerliebste Grüße, Bettina

    1. Liebe Bettina, ich bin echt erstaunt, was du diesmal aus meinem Blog gezogen hast.. Motivation zum Sport – das hatte ich beim Schreiben aber so gar nicht auf dem Schirm 🙂🙂
      Doch für das „endlich loslegen“ ist es zu spät – du bist schon mittendrin und die ersten Erfolge sind da 💪👏👏
      Jetzt geht’s darum weiter zu machen und dafür bist du grad so was von bereit!! Wenn du Tipps oder andere Unterstützung brauchst: ich bin für dich da 🤗🤗 liebe Grüße Sonja

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