chirurg

VERNÄHT & ZUGEFLIXT

Das Update aus der Ambulanz der
Plastischen Chirurgie

Datum: 26.06.2021

Hallo [subscriber:firstname | default:reader]

Kontrolltermin in der Ambulanz der Plastischen Chirurgie
Seit meiner Entlassung aus dem Krankenhaus war mein Hausarzt für die ambulante Nachbehandlung meiner Hauttransplantation zu ständig. Doch irgendwie fühlte ich mich bei ihm nicht (mehr) gut aufgehoben.

Im Krankenhaus, und auch beim Orthopäden vorher, wurde immer darauf geachtet, dass die Wunden vor dem Verbandswechsel sauber ausschauen und sie wurden bei Bedarf von Belägen gesäubert. Auch meine persönliche Wundmanagerin wunderte sich sehr darüber, dass mein Hausarzt nur einen kurzen Blick auf die Wunden warf und sie sonst von der Praxismitarbeiterin verbinden lies. Meine Fragen, ob der Heilsverlauf passt, was der Unterschied zwischen den dunklen und hellen Stellen unter dem Transplantat ist und warum die Wunde nach 3 Wochen immer noch nässt, konnte er mir nicht verständlich beantworten. Ganz im Gegenteil: er wich meinen Fragen aus und wirkte ziemlich genervt von meinen Nachfragen.

Im Entlassungsbericht empfahlen die behandelnden plastischen Chirurgen eine Versorgung mit Kompressionskleidung und der nachbehandelnde Arzt sollte diese zeitnah verordnen. Auf meine Nachfrage wollte mir der Hausarzt einen Kompressionsstrumpf bis hoch in die Leiste verschreiben, um mein angeblich geschwollenes Bein von Lymphflüssigkeit zu befreien. Meines Wissen sollte die Kompression aber dafür dienen, dass die entstehende Narbe an der Transplantationsstelle weich, geschmeidig bleibt und nicht wuchert. Dafür reicht nach meiner Erinnerung an das Entlassungsgespräch und meiner Recherchen ein Kompressionskniestrumpf.

Diesen Einwand ignorierte mein Hausarzt komplett und wiederholte ständig seine Aussage: "Frau Weinert, die zuständigen Lymphbahnen gehen bis zum Oberschenkel!". Das beantwortete aber nicht meine Frage nach der Narbentherapie durch Kompression. Wieder bekam ich auf meine Verständnisfrage die gleiche Antwort: "Frau Weinert, die zuständigen Lymphbahnen gehen bis zum Oberschenkel!" Das "Spiel" wiederholte sich mehrmals. Meine Frage kam bei ihm einfach nicht an und ich fühlte mich nicht ernstgenommen. Und als er dann auch noch das Sprechzimmer verließ und mich verwirrt zurück lies, fühlte ich mich wie dumme Patientin, die ihren Arzt nervt. Vertrauen schaut für mich anders aus.

Doch das war nicht das Einzige, was ich bei den letzten beiden Terminen in der Praxis erlebt habe. Eine Arzthelferin ekelte sich lautstark vor meiner Wunde. "ihh, das schaut eklig aus, das soll mal die Kollegin machen" schmiss sie mir an den Kopf als ich zum Verbandswechsel da war. Auch wurde ich von ihr aus dem Wartezimmer aufgerufen mit "die mit der Haut da - mitkommen!"

Ein weitere mehr als unangenehme Situation für mich erlebte ich, als der Hausarzt meine psychiatrische Diagnose von meinem Facharzt anzweifelte. Genau dieses Anzweifeln von Diagnosen durch andere Ärzte ist ein heftiger Trigger für mich. Warum diskutieren die Ärzte nicht untereinander und sorgen lieber mit ihrem Unverständnis und Unglauben für Unsicherheiten und Verwirrung bei den Patienten?

All das in der Summe veranlasste mich bzw. meiner persönlichen Wundmanagerin 😘 Kontakt mit den Ärzten in der Plastischen Chirurgie aufzunehmen. Sie wurde sogar telefonisch mit dem Stationsarzt verbunden, der ihr vorschlug mit mir nochmal in die Ambulanz zu kommen, um die Wunden kontrollieren zu lassen.

Und das war die beste Entscheidung! Die Ärztin nahm sich Zeit alle unsere Fragen zu beantworten, also nicht nur meine sondern auch die fachlichen Nachfragen meines Mütterleinchens (alias persönliche Wundmanagerin). Meine Sorgen und Ängste bezüglich der nässenden Wunde konnte sie mir nehmen und bestätigte mir mehrmals, dass das Transplantat gut einheilt und die nässenden Stellen sich auch noch verschließen werden. Auch zeigte sie mir, dass das Taubheitsgefühl nur oberflächlich ist und die tiefergehenden Nerven intakt sind und machte mir Hoffnung, dass das Loch im Bein sich mit der Zeit mehr auffüllt. Die Narbe wird natürlich bleiben, aber mit dem passenden Kompressionsstrumpf (bis zum Knie!) zur Narbentherapie immer unauffälliger werden. Die Rezepte für den Strumpf und für anderes passenderes Verbandsmaterial stellte sie auch gleich aus und gab sie uns mit.
img_20210626_115659_5159177578214399225269.jpg
Ich fühlte mich wieder sehr gut aufgehoben in der Plastischen Chirurgie und ich darf mich bei Fragen und Unsicherheiten jederzeit (!) wieder melden und auch wiederkommen. Die 4 Stunden Wartezeit in der Ambulanz waren es auf jeden Fall wert. Die Wundversorgung darf ich jetzt selbst übernehmen
wp-16247185126281296873961893960579.jpg
wp-16247185130604966960557024537074.jpg
wp-16247185134332799951450386541241.jpg
Nach dem Duschen mit klaren Wasser tupfe ich die Wunde mit einer sterilen Kompresse trocken und entferne dabei alles was sich leicht(!) weg wischen lässt (Cremereste, Hautschüppchen, Krusten, Beläge). Auf die Wunde kommt dann zuerst eine Paraffingaze, die Verkleben der Wunde mit dem Verband verhindert. Darüber kommt eine Saugkompresse, die das Wundsekret auffängt und die Wunde trocken hält. Befestigt wird das Ganze mit einer selbst haftenden Fixierbinde. Fertig!!!
Meinen Hausarzt werde ich nach diesen Erfahrungen nicht mehr aufsuchen und mich nun um einen neuen Hausarzt kümmern. Der Hausarzt hört sowieso im Herbst auf bzw. behandelt dann nur noch Privatpatienten und so gibt es für mich keinen Grund weiter dorthin zu gehen.
wp-16247240363991324755738825353460.jpg
Auch aus einer hässlichen Wunde, kann eine schöne Narbe werden
kommt Zeit, kommt Naht
Sonja und die Monster im Kopf
vernäht & zugeflixt (Archiv)
website instagram