chirurg

VERNÄHT & ZUGEFLIXT

Das Update aus dem Krankenzimmer der
Plastischen Chirurgie

Datum: 30.05.2021

Hallo [subscriber:firstname | default:reader]

So langsam kommt wieder Bewegung in meine müden Knochen.
Der Gang ins Bad und zur Toilette war ja von Anfang an erlaubt, doch nun darf ich auch mein Zimmer zusammen mit Vera verlassen.
Eigentlich wollte ich nur die schicken weißen Anti-Thrombosestrümpfe loswerden und erkundigte mich deshalb während der Visite beim behandelnden Arzt, ob ich die wirklich noch tragen muss. Leider bestätigte er die weitere Tragpflicht, erlaubte mir aber mein Zimmer zu verlassen und die Sonne auf dem Balkon zu genießen.
Kaum dass der Doc mein Zimmer verlassen hatte, humpelte ich zum Kleiderschrank und quetschte mich in meine Turnschuhe. Rechts durch den Verband ein bisschen eng, doch das störte mich nicht weiter. Also Maske auf und raus auf Entdeckungstour. Nur um ein paar Ecken entdeckte ich den erwähnten Balkon und schob Vera über die Schwelle in die Sonne. Die frische Luft tat so gut!!
Auf dem Flur begegnete ich dem Arzt nochmal und er freute sich, dass ich seine "Anweisung" zur Bewegung sofort umgesetzt hatte. Die heute für mich zuständige Krankenschwester hob auch anerkennend den Daumen und verlegte das Fiebermessen kurzerhand auf den Flur, um mich in meinem Bewegungsdrang nicht zu bremsen. Danke!
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Auch sonst fühle ich mich hier gut aufgehoben. Jeder hier versucht auf mich einzugehen und meine Fragen so gut es geht zu beantworten. Dadurch habe ich meine Ängste und vor allem meine Monster im Kopf gut im Griff. Es gibt keine unangenehmen Überraschungen, die mich aus der Bahn werfen und ich fühle mich so über jeden zukünftigen Schritt informiert und vorbreitet. Nur das mit meiner Dauermedikation von zuhause klappt nicht so ganz. Angeblich ist mein Medikament, dass ich seit über 12 Jahren einnehme nicht lieferbar und ich soll das doch mit meinem Behandler zu Hause besprechen. Meine Monster im Kopf laufen bei solchen Situationen Amok und die Angst vor einer erneuten Medikamentenumstellung mit all ihren Nebenwirkungen machte sich in meinem Kopf breit. Jetzt schau ich mal was meine Hausapotheke dazu sagt und werde auch meinen Doc informieren. Das sind Dinge, die schon mal für Chaos in meinem Kopf sorgen.
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Mit Vera komm ich inzwischen sehr gut klar. Ich darf sie alleine vom Stromnetz trennen und die Anschlusskabel für mich passend sortieren. Nur beim Hosen wechseln benötige ich die Unterstützung durch das Pflegepersonal, die die Leitungen dafür möglichst steril von Vera trennen und danach wieder richtig mit sämtlichen Klemmen und Schraubverschlüssen befestigen müssen.
Morgen ist dann der nächste kleine Eingriff an meinem Bein geplant. Die Chirurgen öffnen den Verband, kontrollieren die Wunde und entfernen eventuell abgestorbenes Gewebe (raus was keine Miete zahlt!). Dann kommt Vera wieder ans Bein und darf ca. 3 Tage wieder die Arbeit übernehmen. Das Ganze findet in örtlicher Betäubung statt und unter OP-Bedingungen. Schau mer mal, ob ich trotzdem einen Blick erhaschen kann.
kommt Zeit, kommt Naht
Sonja und die Monster im Kopf
Auch aus einer hässlichen Wunde, kann eine schöne Narbe werden
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